Schamanismus
Der Schamanismus ist eine uralte spirituelle Praxis, die in Kulturen weltweit zu finden ist, besonders bei indigenen Völkern. Der Schamane wirkt als Vermittler zwischen der gewöhnlichen Welt und den geistigen Ebenen und reist in veränderten Bewusstseinszuständen, um zu heilen, zu weissagen und seine Gemeinschaft zu führen.
Ursprung und Etymologie
Das Wort "Schamane" stammt aus der tungusischen Sprache Sibiriens (šaman, "der Wissende"). Es wurde in der Folge auf ähnliche Praktiken in jeder indigenen Kultur ausgeweitet. Der Schamanismus ist wahrscheinlich die älteste spirituelle Tradition der Menschheit: es gibt archäologische Belege für schamanische Praktiken aus mindestens 30.000 Jahren (Höhlenmalereien, rituelle Bestattungen).
Der Anthropologe Mircea Eliade systematisierte in seinem Klassiker Schamanismus und archaische Ekstasetechnik (1951) die vergleichende Erforschung des Schamanismus und zeigte, dass die Praktiken in so weit voneinander entfernten Kulturen wie Sibirien, Amerika, Afrika und Australien außerordentlich ähnlich sind: ekstatische Seelenreise in andere Welten, Kommunikation mit Geistern, Heilung von Krankheiten durch Wiedererlangung der verlorenen Seele.
Funktionen und Techniken
Die traditionellen Funktionen des Schamanen sind: Heilung (von Körpern und Seelen), Weissagung (Befragung der Geisterwelt über die Zukunft oder das Verborgene), Psychopompos (Führung der Seelen der Verstorbenen ins Jenseits), Vermittlung zwischen der Gemeinschaft und den Naturgeistern. Der Schamane ist kein Priester (er leitet von Haus aus keine öffentlichen Rituale) — er ist Spezialist der Ekstase.
Die Techniken zur Trance-Induktion variieren je nach Kultur: monotones Trommeln (die universelle "Trommeltechnik"), repetitive Gesänge, Tänze, heilige Pflanzen (Ayahuasca im Amazonas, Peyote in Mesoamerika, Psilocybin-Pilze ebenfalls in Mesoamerika, Amanita muscaria in Sibirien), Fasten und sensorische Deprivation. Der moderne Schamane (besonders der "urbane Schamane" oder zeitgenössische Neoschamane) passt diese Techniken an therapeutische Kontexte an.
Schamanismus heute
In der zeitgenössischen Welt erlebt der Schamanismus eine Renaissance durch die Arbeit von Anthropologen wie Michael Harner (Autor von Der Weg des Schamanen) und durch Praktiken wie den "Core Shamanism". Der Schamanismus respektiert, dass die heiligen Pflanzen und Rituale Werkzeuge spezifischer Völker sind: kultureller Respekt und die Anleitung eines echten Lehrers sind wesentlich für eine authentische Praxis.
También conocido como
- Shamanismus
- Curanderismo (in einigen Kulturen)
- Geisterarbeit