Esoterismo

Spiritismus

Der Spiritismus ist die philosophisch-religiöse Lehre und Praxis, die die Existenz der Geister Verstorbener und die Möglichkeit der Kommunikation mit ihnen durch Medien bekräftigt. Im 19. Jahrhundert von Allan Kardec systematisiert, ist er eine der großen spirituellen Strömungen der modernen Welt, mit besonders starker Präsenz in Brasilien.

Ursprung der Bewegung

Der moderne Spiritismus entstand 1848 in Hydesville, New York, als die Schwestern Margaret und Kate Fox Kommunikationen mit einem Geist mittels "Klopfgeräuschen" (raps) berichteten, die auf ihre Fragen antworteten. Das Phänomen breitete sich rasch über die Vereinigten Staaten und Europa aus. Die "spiritistischen Sitzungen" wurden im 19. Jahrhundert zur Mode und zogen Bauern ebenso an wie Wissenschaftler wie William Crookes und Arthur Conan Doyle.

Allan Kardec (Hippolyte Léon Denizard Rivail, 1804-1869), französischer Pädagoge, systematisierte die Lehre in seinen Werken: Das Buch der Geister (1857), Das Buch der Medien (1861), Das Evangelium nach dem Spiritismus (1864). Kardec stellte den Spiritismus als kohärente wissenschaftliche, philosophische und religiöse Lehre dar, basierend auf dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele, die Vielfalt der Existenzen (Reinkarnation) und die Möglichkeit der Kommunikation mit dem Jenseits.

Lehre und Praxis

Zentrale spiritistische Prinzipien: (1) Unsterblichkeit der Seele: Das Bewusstsein überlebt den Tod des Körpers. (2) Reinkarnation: Die Seele inkarniert mehrfach, um sich zu entwickeln. (3) Kommunikation mit Geistern: möglich durch Medien. (4) Spirituelle Evolution: Die Geister lernen und entwickeln sich durch die Leben. (5) Nächstenliebe als Weg: Das Gute, das anderen getan wird, ist der Weg der Evolution.

In Brasilien verwurzelte sich der Spiritismus tief und entwickelte eine eigene Tradition mit Persönlichkeiten wie Chico Xavier (psychographisches Medium, das Hunderte von Geistern zugeschriebene Bücher hervorbrachte) und spiritistischen Zentren, die magnetische Pässe, spirituelle Heilung und Kommunikationssitzungen praktizieren. Der brasilianische Kardezismus ist der zahlreichste Zweig des weltweiten Spiritismus. Die brasilianische Umbanda verbindet Spiritismus mit afro-brasilianischen Traditionen.

Seriöser vs. betrügerischer Spiritismus

Der seriöse Spiritismus lehnt den Handel mit der "Magie" ab: er verlangt kein Geld für Medialität oder spirituelle Heilungen. Die Nächstenliebe ist zentral: Viele spiritistische Zentren widmen einen Großteil ihrer Zeit sozialen Werken. Im Gegensatz dazu sind kommerzielle "Hellseherinnen, die mit Toten sprechen" mit hohen Tarifen meist betrügerisch. Allan Kardec war diesbezüglich sehr deutlich: Medialität ist eine Gabe, die unentgeltlich ausgeübt wird.

También conocido como

  • Kardezismus
  • Spiritistische Lehre
  • Spiritualismus (im Englischen)

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