Anubis
Anubis ist der ägyptische Gott mit dem Kopf eines schwarzen Schakals, Wächter der Toten und der Nekropolen, Führer der Seelen auf ihrer Reise ins Jenseits, der die Einbalsamierung und das Wiegen des Herzens im Gericht des Osiris leitet. Eine der ikonischsten und bedeutendsten Gottheiten des ägyptischen Pantheons.
Ursprung und Mythologie
Anubis (ägyptisch: Inpu oder Anpu) war ursprünglich der bedeutendste Totengott des ägyptischen Pantheons, bevor er später teilweise von Osiris abgelöst wurde. Seit der ersten Dynastie (3000 v. Chr.) belegt, war er zentral für die gesamte ägyptische Bestattungspraxis. Die Wahl des Schakals als ikonografisches Tier stammt vermutlich aus empirischer Beobachtung: Schakale streiften um die Wüstennekropolen, in denen die Toten bestattet wurden; statt sie zu fürchten, verwandelten die Ägypter die Bedrohung (das Tier, das Leichen ausgräbt) in einen schützenden Führer.
Anubis erfüllt mehrere spezifische Funktionen im Bestattungsprozess: 1) Einbalsamierer: Schutzherr der Einbalsamierer und Schirmherr des Mumifizierungsprozesses; dem Mythos zufolge balsamierte er gemeinsam mit Isis den Leichnam des Osiris ein. 2) Führer der Toten: Psychopompos, der die Seele des Verstorbenen durch die Gefahren der Duat (ägyptische Unterwelt) geleitet. 3) Wächter über das Wiegen des Herzens: in der zentralen Szene des Osiris-Gerichts (Totenbuch) wiegt Anubis das Herz des Verstorbenen auf einer Waage gegen die Feder der Maat (Gerechtigkeit und Wahrheit). Wiegt das Herz schwerer (mit Sünden beladen), wird es vom Ungeheuer Ammit verschlungen; wiegt es gleich oder leichter, wird die Seele in das ewige Leben eingelassen.
Ikonografie und Symbolik
Die klassische Ikonografie des Anubis: Kopf eines schwarzen Schakals (die Farbe symbolisiert die Regeneration — Schwarz ist die Farbe des fruchtbaren Nilschlamms, der Geburt aus dem Tod) auf einem männlichen Menschenkörper. Häufig trägt er ein Ankh in der einen Hand (Leben) und ein Was-Zepter in der anderen (Souveränität). Seine zugehörige Farbe ist Schwarz; sein heiliges Tier ist offenkundig der Schakal, später auch der Hund. Sein heiliger Ort: die Stadt Kynopolis ('Stadt der Hunde'), Zentrum seines Kultes.
In der spirituellen Lesart: Anubis ist der Verbündete der spirituellen Reise durch die Dunkelheit. Er steht nicht für die Furcht vor dem Tod — er steht für die bewusste Begleitung im Übergang. Seine Aufgabe ist es, die Seele zu führen, sie geschickt durch die Gefahren zu leiten, ihre sichere Ankunft zu gewährleisten. In der modernen esoterischen Tradition wird er angerufen bei: tiefer Transformationsarbeit (in der Anteile des Egos 'sterben', um dem Neuen Platz zu machen), Abschiedsritualen für verstorbene Angehörige, Arbeit mit dem unbewussten Schatten ('Abstieg in den inneren Abgrund' mit Anubis als Führer), Bestattungsschutz.
Heutige Arbeit mit Anubis
Moderne Praktizierende, die sich mit Anubis verbinden, tun dies meist für: 1) Trauer- und Abschiedsprozesse (er ist sanfter und ehrfurchtsvoller Führer der Seele des Verstorbenen). 2) Phasen radikaler persönlicher Transformation (er begleitet den Tod des alten Selbst und die Geburt des neuen). 3) Schattenarbeit (er ist treuer Führer beim Abstieg ins Unbewusste). 4) Bestattungszeremonien (Jahrestage von Familientoden, Día de los Muertos). 5) Schutz in Phasen der Verletzlichkeit. Empfohlene Opfergaben: schwarze Kerzen, Myrrhe-Räucherwerk, Hunde- oder Schakalfiguren, Fotografien der geehrten verstorbenen Angehörigen.
También conocido como
- Inpu (ägyptisch)
- Anpu
- Hermes-Anubis (synkretistisch)
- Der Schwarze Schakal