Keromantie
Die Kerzenmantik (Ceromantie) ist die Wahrsagekunst durch das Lesen der Formen, die geschmolzenes Wachs beim Erstarren hinterlässt. Sie ist eine Variante der Lychnomantie, die sich speziell auf das herabgetropfte Wachs konzentriert, nicht auf die Flamme. Eine sehr lebendige volkstümliche Tradition in Spanien, Mexiko und Brasilien.
Ursprung und Tradition
"Ceromantie" verbindet das lateinische cera mit dem griechischen Suffix -manteia ("Wahrsagung"). Die Technik hat jahrhundertelange Tradition in der europäischen Volkskultur. Sie wurde besonders an bestimmten Festtagen praktiziert, wie der Johannisnacht (24. Juni) oder dem Silvesterabend in vielen Kulturen, an denen geschmolzenes Wachs in kaltes Wasser gegossen und die entstehenden Formen als Vorzeichen für das kommende Jahr gedeutet wurden.
In der klassischen Lychnomantie wird das Wachs einer Ritualkerze am Ende des Rituals betrachtet: die Formen, die es beim Herabtropfen hinterlassen hat, sind die Botschaft des Orakels zur gestellten Frage. Eine andere Variante: heißes Wachs wird direkt in eine Schale mit kaltem Wasser gegossen, und das, was sich beim Erstarren augenblicklich bildet, wird gedeutet.
Lesen der Formen
Die Formen des Wachses werden als figürliche Symbole gedeutet: Tiere, Gegenstände, Buchstaben, erkennbare Zahlen. Die traditionellen Schlüssel: Tiere (Vögel = Botschaften, Fische = Fülle, Katze = Verrat oder Geheimnis), Symbole (Herz = Liebe, Ring = Verbindlichkeit, Schlüssel = Gelegenheit, Kreuz = Opfer oder Schutz, Sarg = Ende).
Buchstaben und Zahlen: Wenn eine Form einen Anfangsbuchstaben andeutet, kann sie auf den Namen einer wichtigen Person hinweisen. Deutet sie eine Zahl an, verweist sie auf eine Frist oder Menge. Auch Position und Richtung sind wichtig: Wenn die Formen auf den Fragenden zeigen = Energie, die kommt; weisen sie weg = Energie, die geht. Eine gute Lesung erfordert 15-20 Minuten aufmerksamer Betrachtung – die Formen sind nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich.
Varianten
Kerzenmantik mit ganzer Kerze: eine Ritualkerze mit bestimmtem Zweck anzünden (siehe Lychnomantie), abbrennen lassen, am Ende das Wachs lesen. Kerzenmantik mit flüssigem Wachs in Wasser: geschmolzenes Wachs in ein Gefäß mit kaltem Wasser gießen und die unmittelbaren Formen deuten. Kerzenmantik mit Kerze und Teller: das auf den Teller unter der Kerze gefallene Wachs lesen. Jede Variante hat ihre Nuance, doch das Prinzip ist dasselbe: die Materie, frei erstarrend, zeichnet Muster, die symbolisch gelesen werden können.
También conocido como
- Wachslesung
- Karromantie (Variante)