Lykanthropie
Die Lykanthropie ist der legendäre Glaube — in vielen Kulturen anzutreffen —, dass sich bestimmte Menschen in einen Wolf (oder andere Raubtiere) verwandeln können, sei es durch einen Fluch, durch einen freiwilligen schamanischen Akt oder als pathologischer Zustand. Das Wort leitet sich vom griechischen lykos ("Wolf") und anthrōpos ("Mensch") ab.
Mythologie und Legenden
Die Werwolflegende erscheint in vielen Kulturen mit Variationen. In der griechischen Mythologie wurde König Lykaon von Arkadien zur Strafe von Zeus in einen Wolf verwandelt (daher der mythische Ursprung des Begriffs). Die nordischen Traditionen kannten die úlfheðnar ("Wolfsfellträger"), Krieger, die nach dem Anlegen eines Wolfsfells in einen wilden Zustand verfielen. Die mittelalterlichen slawischen und germanischen Traditionen sind voll von bösartigen Werwölfen. In den navarrisch-baskischen Legenden sind die "gizotsoa" lokale Werwölfe.
Historisch fand die Werwolfjagd parallel zur Hexenjagd im Spätmittelalter statt: Hunderte von Personen (häufig mit psychischen oder Hauterkrankungen) wurden der Lykanthropie beschuldigt und hingerichtet. Antike Mediziner beschrieben die klinische Lykanthropie: eine echte psychische Störung, bei der der Patient fest glaubt, ein Wolf zu sein (oder in einen verwandelt worden zu sein) und sich entsprechend verhält. Es ist ein seltenes, aber dokumentiertes psychiatrisches Syndrom.
Symbolische Lykanthropie
In der esoterischen Tradition gibt es drei verschiedene Lesarten. (1) Wörtlich: Es gibt Menschen, die sich physisch in Wölfe verwandeln. Die seriöse Parapsychologie akzeptiert dies nicht als real. (2) Schamanisch: In schamanischen Traditionen (sibirisch, indigene amerikanische) kann der Schamane außerkörperlich erfahren, "ein Wolf zu sein" — eine ekstatische Reise, in der sich sein Bewusstsein mit einem Tier identifiziert. Das ist subjektiv real; der physische Körper verwandelt sich nicht. (3) Symbolisch: Jeder Mensch kann seinen "inneren Wolf" haben (Jung würde dies den tierischen Schatten nennen): den instinktiven, raubtierhaften Aspekt, potenziell gefährlich, wenn er unterdrückt wird.
In der Jung'schen Tiefenpsychologie ist die Integration des "inneren Wolfes" (das Instinkthafte, das Wilde, die gesunde Aggression) ein wichtiger Teil der Individuation. Die übermäßig zivilisierte moderne Kultur neigt dazu, den inneren Wolf zu unterdrücken; wenn das Unterdrückte unkontrolliert hervorbricht, kann das Ergebnis zerstörerische Gewalt sein. Die integrierte symbolische Lykanthropie bedeutet, den inneren "Wolf" zu ehren — Kraft, Instinkt, Rudeltreue, Schutzfähigkeit — ohne sich von seinen Schattenseiten beherrschen zu lassen.
También conocido como
- Werwolf
- Lycanthropy
- Werwolfsein
- Therianthropie (allgemein)