Orakel von Delphi
Das Orakel von Delphi war das berühmteste Orakelheiligtum der griechischen Antike, gelegen am Hang des Berges Parnass (Mittelgriechenland) und dem Gott Apollon geweiht. Es funktionierte über 1.000 Jahre lang (8. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr.) als spirituelles Zentrum der griechischen Welt. Die Pythia, eine Priesterin in Trance, übermittelte die Antworten des Gottes.
Ursprung und Mythologie
Der Legende nach tötete Apollon die Schlange Python in Delphi, um den Ort in Besitz zu nehmen (der ursprünglich ein Heiligtum der Gaia war). Der Name "Pythia" leitet sich von Python ab. Delphi galt als "Omphalos" oder Nabel der Welt: das geographisch-spirituelle Zentrum der Erde, markiert durch einen heiligen Stein im Heiligtum. Über dem Tempel war die Inschrift "Erkenne dich selbst" (Gnothi seauton) zu lesen: die apollinische Weisheit, sagten die Griechen, ist nicht Information über die Zukunft, sondern Selbsterkenntnis.
Die Befragungen waren ein ritueller Vorgang: der Befragende stellte eine Frage, brachte ein Opfer dar und wartete auf die Pythia. Sie setzte sich auf einen bronzenen Dreifuß über einem Bodenspalt, aus dem Dämpfe aufstiegen (wahrscheinlich Ethylen und andere natürliche Gase, wie moderne geologische Studien herausgefunden haben), trat in Trance und gab Antworten, die häufig zweideutig waren: die berühmten "delphischen Orakel" hatten zwei mögliche Bedeutungen, was zur Redewendung "delphische Antwort" (= zweideutig) geführt hat.
Berühmte Orakel und Niedergang
Einige berühmte Orakel: Krösus von Lydien wurde gesagt, wenn er Persien angreife, "werde er ein großes Reich zerstören" — das zerstörte Reich war sein eigenes. Über Sokrates erklärte die Pythia, er sei der weiseste Mann Athens (was Sokrates nicht als Lob, sondern als Herausforderung verstand: "ich weiß nur, dass ich nichts weiß"). Alexander der Große erhielt vor seinem asiatischen Feldzug eine günstige Antwort, indem er die Pythia zwang, an einem nicht-orakelhaften Tag zu sprechen.
Das Orakel ging mit der Christianisierung des Römischen Reiches zurück: Kaiser Theodosius I. schloss es 391 n. Chr. offiziell. Die letzte angebliche Antwort war traurig: "Sagt dem König, dass die schön gemeißelte Halle in den Staub gefallen ist. Apollon hat kein Dach mehr, weder Lorbeer noch eine Quelle, die prophezeit". Heute sind die Ruinen des Heiligtums eine archäologische Stätte und werden weiterhin besucht — der Ort bewahrt eine besondere Atmosphäre, die von den Besuchern erkannt wird.
También conocido como
- Tempel des Pythischen Apollon
- Delphisches Heiligtum
- Omphalos