Mancias

Geomantie

Die Geomantik ist die divinatorische Kunst, die auf dem zufälligen Setzen von Punkten auf der Erde (oder, modern, auf Papier) und deren Deutung nach einem System von 16 geomantischen Figuren beruht. Ursprünglich aus der mittelalterlichen arabischen Welt stammend, war sie eine der angesehensten Wahrsagetechniken im Europa der Renaissance.

Arabischer und europäischer Ursprung

"Geomantik" verbindet das griechische geo ("Erde") mit manteia ("Wahrsagung"). Obwohl der Begriff griechisch ist, entsteht die klassische Geomantik als technisches System in der mittelalterlichen arabischen Welt (9.-10. Jh.) unter dem Namen ilm al-raml ("Wissenschaft des Sandes"). Sie gelangte mit der Übersetzung arabischer Traktate im 12. Jahrhundert nach Europa und wurde zu einer der meistuntersuchten magischen Künste im mittelalterlichen und Renaissance-Europa.

Die ursprüngliche klassische Geomantik bestand darin, mit einem Stock zufällige Markierungen in den Sand zu machen, ohne sie bewusst zu zählen. Vier Reihen von Markierungen bildeten eine "geomantische Figur", je nachdem, ob die Anzahl in jeder Linie gerade oder ungerade war. 16 Figuren sind möglich, jede mit einem lateinisch-arabischen Namen (Via, Populus, Acquisitio, Amissio, Fortuna Maior usw.) und einer spezifischen Bedeutung.

Die 16 Figuren und die Legung

Einige wichtige Figuren: Via (Weg, Reise), Populus (Menge, Unentschlossenheit), Acquisitio (Gewinn, Erfolg), Amissio (Verlust, das Vergehende), Fortuna Maior (großes Glück), Fortuna Minor (kleines Glück), Tristitia (Trauer, Verlangsamung), Laetitia (Freude, Aufstreben), Puer (junge, männliche Energie), Puella (junge, weibliche Energie), Conjunctio (Vereinigung, Begegnung), Carcer (Gefängnis, Einschränkung).

Die klassische Legung verwendet 16 Figuren, die in einem "geomantischen Schild" angeordnet sind: Die ersten 4 sind die "Mütter" (Fragen), aus ihnen werden 4 "Töchter" abgeleitet, dann 4 "Nichten" und schließlich 2 "Zeugen" und ein "Richter" (die endgültige Antwort). Es ist ein technisch ausgefeiltes System, vergleichbar in seiner Komplexität mit dem I Ging.

Geomantik heute

Die klassische Geomantik mit dem Schild aus 16 Figuren erfordert beträchtliches Studium, um sie zu beherrschen. Heute wird sie weniger praktiziert als das Tarot oder das I Ging, lebt aber in seriösen esoterischen Kreisen weiter. Die vereinfachte Form (eine einzige Figur als Antwort auf eine Frage zu konsultieren) ist für jedermann zugänglich. Wichtig: Diese divinatorische Geomantik nicht mit der "Geomantik des Feng Shui" verwechseln – trotz des ähnlichen Namens sind es unterschiedliche Systeme.

También conocido como

  • Ilm al-raml (arabisch)
  • Wissenschaft des Sandes
  • Geomantia

← Volver al glosario