Esoterismo

Fetisch

Im esoterischen Bereich ist ein Fetisch ein materielles Objekt, dem magische oder spirituelle Kräfte zugeschrieben werden: Es enthält eine Wesenheit, ist energetisch geladen oder dient als Vermittler zwischen der physischen und der feinstofflichen Ebene. Traditionell in afrikanischen, indigen-amerikanischen und anderen Kulturen, durch seine spezifische rituelle Ladung von westlichen Amuletten und Talismanen unterschieden.

Ursprung und Etymologie

"Fetisch" leitet sich vom portugiesischen feitiço ("Zauber, Verzauberung") ab, vom lateinischen facticius ("hergestellt, gemacht"). Die portugiesischen Entdecker des 15.-16. Jahrhunderts verwendeten den Begriff, um die heiligen Objekte der afrikanischen Völker zu beschreiben, denen sie auf ihren Reisen begegneten: geschnitzte Figuren, Kräuterbündel, Zähne, Federn, mit spezifischer spiritueller Kraft geladene Objekte. Der Begriff ging mit einer gewissen abwertenden Konnotation ("primitive Götzendienerei") in die europäische Sprache ein, obwohl es sich um ein ernsthaftes religiöses Konzept handelt.

In der Religionsethnologie ist ein Fetisch ein Objekt, das eine spirituelle Wesenheit enthält oder kanalisiert. Er ist nicht nur Symbol: Er ist nach den Überzeugungen der Gruppe Sitz einer realen Macht. Die afrikanischen Yoruba-, Fon- und Kongo-Traditionen (die Santería, Candomblé und Voodoo hervorbrachten) arbeiten ausgiebig mit Fetischen: Jeder Oricha hat seine rituellen Objekte, in denen er sich manifestiert. Im sibirischen und amerikanischen Schamanismus sind die "medicine bundles" (Beutel mit heiligen Objekten) Fetische im technischen Sinne.

Unterschied zu Amulett und Talisman

Die technische esoterische Unterscheidung: Das Amulett schützt passiv; der Talisman zieht aktiv an; der Fetisch hat Autonomie: Er ist energetisch wie ein "lebendes Wesen", mit eigenem Willen (manchmal). Deshalb werden Fetische in traditionellen Kulturen "ernährt" (mit Opfergaben, Blut geopferter Tiere, Trankopfern), man spricht zu ihnen, bittet sie um Dinge. Die Beziehung zum Fetisch ist relational, nicht nur instrumentell.

Im modernen Westen hat das Wort "Fetisch" auch den von Freud popularisierten psychologisch-sexuellen Sinn: Objekt, das verschobene erotische Anziehung auslöst (Schuhe, Unterwäsche usw.). Obwohl die Bedeutungen unverbunden erscheinen, gibt es eine symbolische Parallele: In beiden Fällen konzentriert ein materielles Objekt eine Energie (spirituell oder erotisch), die intensiver ist, als die bloße Materie es rechtfertigt. Der "Warenfetischismus" bei Marx ist ein weiterer abgeleiteter Sinn: die Ware, die in der kapitalistischen Kultur "Eigenleben" annimmt.

También conocido como

  • Feitiço (Portugiesisch)
  • Geladenes Objekt
  • Power object

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