Esoterismo

Gnostizismus

Der Gnostizismus ist die Gesamtheit synkretistischer religiöser Bewegungen, die im 1.-4. Jahrhundert n. Chr. entstanden und sich auf die Gnosis (erfahrungsmäßige spirituelle Erkenntnis) konzentrierten. Sie verbanden Elemente des frühen Christentums, des Judentums, des Platonismus, des Zoroastrismus und der ägyptischen Mystik. Von der offiziellen Kirche als häretisch betrachtet, wurden sie weitgehend bis zu ihrem Verschwinden verfolgt.

Ursprung und Lehre

"Gnostizismus" leitet sich vom griechischen gnōsis ("Erkenntnis") ab. Für die Gnostiker kommt die Erlösung weder durch blinden Glauben noch durch religiöse Werke, sondern durch Gnosis: die direkte erfahrungsmäßige Erkenntnis der spirituellen Wirklichkeit. Die großen gnostischen Schulen (Valentinianer, Basilidianer, Sethianer, Ophiten) teilten einige zentrale Vorstellungen: Die materielle Welt ist das Werk eines Demiurgen (eines geringeren, manchmal bösartigen Schöpfers, von einigen mit dem Gott des Alten Testaments identifiziert) und nicht des wahren transzendenten Gottes.

Die Menschen tragen einen göttlichen Funken in sich, der im materiellen Körper gefangen ist; die Gnosis befreit diesen Funken, damit er in das göttliche Pleroma zurückkehre. Diese dualistische Kosmologie (guter Geist gegen böse Materie) erinnert an den Zoroastrismus und an manche Formen des Hinduismus. Die in Nag Hammadi (Ägypten, 1945) entdeckten gnostischen Texte revolutionierten die Erforschung des frühen Christentums: Sie umfassen das Thomasevangelium, das Evangelium der Maria Magdalena, das Philippusevangelium und weitere Texte, die die offizielle Kirche nicht kanonisierte.

Einfluss und Wiederaufleben

Der Gnostizismus wurde zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert von der offiziellen Kirche verfolgt und unterdrückt. Er überlebte in späten Formen: Katharer im mittelalterlichen Frankreich (im Albigenserkreuzzug des 13. Jahrhunderts ausgerottet), Manichäismus (Mani, 3. Jh., eine große synkretistische Religion, die bis nach China gelangte), Mandäismus (die einzige heute lebendige gnostische Tradition, im Irak und Iran). Der Gnostizismus beeinflusste tiefgreifend die westliche Esoterik: die Kabbala, die Alchemie und bestimmte hermetische Strömungen haben gnostische Wurzeln.

Im 20. Jahrhundert kam es zu einem Wiederaufleben des Interesses am Gnostizismus mit den Funden von Nag Hammadi und der philosophischen Bearbeitung durch Gestalten wie Carl Gustav Jung (der in den gnostischen Texten eine Karte des Individuationsprozesses sah), Hans Jonas (Philosoph, Autor von Die gnostische Religion) und vielen anderen. Die Idee der "befreienden erfahrungsmäßigen Erkenntnis" bleibt für viele zeitgenössische Spiritualitäten attraktiv.

También conocido como

  • Gnosis
  • Gnostisches Christentum
  • Gnostische Tradition

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