Esoterismo

Hermetik

Die Hermetik ist die philosophische, religiöse und esoterische Tradition, die aus den Hermes Trismegistos zugeschriebenen Schriften hervorgegangen ist. Ihre Grundprinzipien – Entsprechungen, Schwingung, Polarität, Rhythmus, Kausalität – bilden das theoretische Fundament der klassischen westlichen Esoterik.

Ursprung und Geschichte

Die Hermetik entsteht im hellenistischen Alexandria (3. Jh. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr.) mit der Abfassung der Hermes Trismegistos zugeschriebenen Schriften. Sie verfällt mit der Christianisierung des Römischen Reiches und wird in der mittelalterlichen arabischen Welt bewahrt. Sie erlebt eine Wiedergeburt in der europäischen Renaissance mit Marsilio Ficinos lateinischer Übersetzung des Corpus Hermeticum (1471), die enormen Einfluss hatte: Pico della Mirandola, Giordano Bruno, John Dee und viele andere Renaissance-Denker erkannten sich als Erben des Hermes.

Im 19. und 20. Jahrhundert wird die Hermetik von den großen westlichen esoterischen Schulen wieder aufgenommen: der Golden Dawn, der Theosophischen Gesellschaft, den Rosenkreuzern. Eine einflussreiche moderne Systematisierung ist Das Kybalion (1908), ein anonymes, "den Drei Eingeweihten" zugeschriebenes Buch, das die sieben hermetischen Prinzipien in zugänglicher Sprache kodifiziert. Wenn auch seine historische Autorität zweifelhaft ist, fassen seine Prinzipien den hermetischen Geist gut zusammen.

Die sieben hermetischen Prinzipien

Nach dem Kybalion lauten die sieben hermetischen Prinzipien: 1) Mentalismus (das Universum ist Geist). 2) Entsprechung (wie oben, so unten; was auf einer Ebene geschieht, spiegelt sich auf einer anderen). 3) Schwingung (alles ist in Bewegung, alles schwingt). 4) Polarität (alles hat zwei entgegengesetzte und einander ergänzende Pole).

5) Rhythmus (alles fließt, alles hat Ebbe und Flut). 6) Ursache und Wirkung (jede Ursache hat ihre Wirkung; nichts geschieht durch Zufall). 7) Geschlecht (alles trägt ein männliches und ein weibliches Prinzip; die Schöpfung geschieht durch ihre Vereinigung). Diese sieben Prinzipien sind der gedankliche Boden der gesamten westlichen Esoterik: Alchemie, Kabbala, zeremonielle Magie, hermetische Astrologie, esoterisches Tarot – sie alle setzen sie voraus.

Der hermetische Geist heute

In der zeitgenössischen Welt überlebt die Hermetik in ernsthaften esoterischen Kreisen, durchdringt aber auch populäre New-Age-Vorstellungen: das "Gesetz der Anziehung" ist eine Ausarbeitung des Prinzips der Entsprechung und der Schwingung; die Betonung des Bewusstseins, das Wirklichkeit erschafft, leitet sich vom hermetischen Mentalismus ab. Die Lektüre der Originalquellen (Corpus Hermeticum, Tabula Smaragdina) bleibt unverzichtbar für jeden, der die philosophische Grundlage der westlichen Esoterik verstehen will.

También conocido como

  • Hermetische Philosophie
  • Hermes-Tradition
  • Hermes-Trismegismus

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