Shiva
Shiva ist einer der drei höchsten Götter der hinduistischen Trimurti (zusammen mit Brahma dem Schöpfer und Vishnu dem Erhalter). Gott der Zerstörung-Transformation, der tiefen Meditation, des kosmischen Tanzes, der getragenen yogischen Disziplin, der heiligen Sexualität und der ursprünglichen generativ-zerstörerischen Kraft. Seine Verehrer (Shaiviten) betrachten ihn als den höchsten Gott jenseits aller anderen Gottheiten.
Mythologie und Aspekte
Shiva ist paradox und komplex: gleichzeitig Zerstörer des Universums (am Ende jedes kosmischen Zyklus zerstört Shiva die manifeste Welt, damit ein neuer Zyklus beginnen kann) UND grosser Yogi, der in absoluter Heiterkeit meditiert im verschneiten Himalaya (Berg Kailash), UND leidenschaftlicher Liebhaber seiner Gattin Parvati, UND kosmischer Tänzer (Nataraja, seine Form als höchster kosmischer Tänzer, dessen Tanz die Universen erschafft und zerstört), UND heiliger Asket, mit Asche bedeckt, der auf Verbrennungsplätzen meditiert. Die Einheit all dieser scheinbar widersprüchlichen Aspekte in Shiva stellt die göttliche Totalität dar, die alles umfasst.
Seine Hauptgattinnen/Gefährtinnen: Parvati (die sanfte Tochter des Berges), Durga (ihr kriegerischer Aspekt), Kali (ihr dunkler transformativer Aspekt) — die drei sind Formen desselben göttlichen Weiblichen (Shakti) in verschiedenen Manifestationen. Seine Söhne: Ganesha (der Elefantenköpfige) und Kartikeya (Gott des Krieges und Sieges). Seine getragene Verbundenheit mit Parvati / Shakti ist die Vereinigung des reinen Bewusstseins (Shiva = Purusha) mit der kreativen Energie (Shakti = Prakriti); die kosmische Vereinigung von Yang und Yin in hinduistischen Begriffen.
Ikonographie und Symbolik
Ikonographie: Shiva in Lotusposition meditierend sitzend (am häufigsten), oder Shiva-Nataraja im kosmischen Tanz (eines der grossartigsten Bilder der Weltkunst, die indischen Bronzen des 10.-13. Jahrhunderts sind Meisterwerke). Spezifische Elemente: blaue Haut (himmelblau), drittes Auge in der Mitte der Stirn (psychisch-göttliche Sicht), zunehmender Mond in seinem Haar (lunare Weisheit), verfilztes Haar mit der Göttin Ganga (dem Fluss Ganges), die aus seinen Locken fliesst, Kobra Vasuki um seinen Hals geschlungen (Beherrschung der Kundalini und der Urangst), Dreizack Trishula in seiner Hand (Souveränität über drei Welten), Damaru (kleine Trommel, die den Rhythmus kosmischer Schöpfung-Zerstörung schlägt), Tiger- oder Elefantenfell als Gewand (Beherrschung über Tiere und raue Natur), mit heiliger Asche bedeckt (endgültiger transzendenter Verzicht).
Das Shiva-Lingam: vertikales steinernes phallisches Symbol, das die hauptsächliche aniconische Darstellung Shivas in Tempeln ist — repräsentiert das generativ-kreative kosmische Prinzip. Kombiniert mit dem Yoni (weiblichem Behältnis ringsum) repräsentiert es die kosmische Vereinigung von männlichen + weiblichen Prinzipien.
In westlichen Begriffen repräsentiert Shiva: 1) Notwendige zyklische Zerstörung-Transformation für neue Schöpfung (ähnlich dem Phönix — Zerstörung ist nicht böse, sondern wesentlicher Übergang). 2) Getragene yogische absolute Disziplin als Weg zur spirituellen Befreiung. 3) Totale Integration aller Gegensätze — Shiva ist alles und das Gegenteil von allem; seine Integration ist reife spirituelle Meisterschaft. 4) Eros und Thanatos vereint — Liebe und Tod als Gesichter derselben Urenergie.
Mit Shiva heute arbeiten
Ohne Hindu zu sein, kannst du dich respektvoll mit Shiva verbinden: 1) Stelle eine Shiva-Nataraja-Figur (kosmischer Tänzer) auf deinen Altar, besonders wenn du in deinem Leben notwendige Transformationsarbeit leistest. 2) Rezitiere sein Mantra "Om Namah Shivaya" ("Ich verneige mich vor Shiva") — eines der kraftvollsten und universellsten Mantras des Hinduismus. 3) Mahashivaratri: "die grosse Nacht Shivas", jährlich um Februar-März gefeiert (Datum variiert nach lunarem Kalender) — Hindus widmen die ganze Nacht der wachen Meditation, Mantras, hingebungsvollen Opfergaben an Shiva. Auch Nicht-Hindus können dieses Datum für besondere Meditation nutzen. 4) Besonders kraftvolle Anrufung in Perioden tiefer notwendiger persönlicher Transformation (Verlust, Ende wichtiger Zyklen, tiefe Krisen). 5) Getragene Yoga- und Meditationspraxis sind selbst die authentischsten hingebungsvollen Opfergaben an Shiva.
También conocido como
- Mahadeva (der grosse Gott)
- Mahesh
- Nataraja (kosmischer Tänzer)
- Shankara