Sabbat (Wicca)
In der modernen Wicca- und neopaganen Tradition sind die Sabbate die acht jährlichen Festlichkeiten, die das "Jahresrad" bilden – solare und lunare Feiern der natürlichen Zyklen. Sie umfassen die vier Sonnenwenden/Tagundnachtgleichen und die vier dazwischenliegenden Daten (genannt Cross-Quarter Days oder "Feuerfeste" in keltischer Tradition).
Ursprung und Geschichte
Das Jahresrad als zeremonielles System wurde in der modernen Wicca von Gerald Gardner (Begründer der zeitgenössischen Wicca, 1950er Jahre) und Ross Nichols (Begründer des OBOD-Druidentums, 1960er Jahre) systematisiert, indem sie auf verschiedene europäische Traditionen zurückgriffen. Die wirklichen keltischen Völker feierten die vier "Feuerfeste" (Samhain, Imbolc, Beltane, Lughnasadh); die germanisch-sächsischen Völker feierten die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen (Yule, Ostara, Litha, Mabon). Die Kombination beider ergibt die acht Sabbate des modernen Rades.
Das Wort "Sabbat" hat eine komplizierte sprachliche Geschichte: Es stammt aus dem hebräischen shabbat (der wöchentliche Ruhetag), gelangte über die mittelalterliche inquisitorische Verbindung von hebräischen religiösen Versammlungen mit "satanischen Hexenversammlungen" – eine völlig falsche historische Verleumdung, die das Wort "Sabbat" jedoch mit Hexerei in Verbindung brachte. Die moderne Wicca hat den Begriff zurückerobert und sich offensiv dazu bekannt: Ja, wir feiern "Sabbate" – aber als freudige Feiern des natürlichen Zyklus, nicht als angebliche dämonische Versammlungen mittelalterlicher inquisitorischer Paranoia.
Die acht Sabbate
Samhain (31. Oktober / 1. November): keltischer Ursprung, "Ende des Sommers". Totenfest, Dialog mit den Ahnen, Beginn der dunklen Jahreshälfte. Christianisiert als Allerheiligen. Yule (21.–22. Dezember): Wintersonnenwende, längste Nacht. Geburt der neuen Sonne, Rückkehr des Lichts. Christianisiert als Weihnachten. Imbolc (1.–2. Februar): keltischer Ursprung. Erste Frühlingsahnung, Reinigung, Hingabe an die Göttin Brigid. Christianisiert als Lichtmess. Ostara (21.–22. März): Frühlingstagundnachtgleiche. Erneuerung, Fruchtbarkeit, Morgenröte (Eostre, germanische Göttin, von der sich "Easter" ableitet).
Beltane (30. April / 1. Mai): keltischer Ursprung, das große Fruchtbarkeitsfest. Heilige Feuer, Maikönigin, Feier von Liebe und Freude. Teilweise christianisiert. Litha (21.–22. Juni): Sommersonnenwende, längster Tag. Sonnenfülle, Höhepunkt der expansiven Energie. Christianisiert als Johannistag (24. Juni). Lughnasadh / Lammas (1. August): keltischer Ursprung, Fest des Gottes Lugh, erste Getreideernte. Dank für die ersten Früchte. Mabon (22.–23. September): Herbsttagundnachtgleiche. Zweite Ernte, Gleichgewicht, Beginn der absteigenden Jahreshälfte.
Das Rad leben
Die Sabbate bewusst leben: 1) Markiere die acht Daten jedes Jahr in deinem Kalender. 2) Mache zu jedem Sabbat zumindest ein kleines, auf seine Energie abgestimmtes Ritual: Kerze in der passenden Farbe, einfaches Ritual, kurze achtsame Meditation. 3) Iss saisonal: Jeder Sabbat hat traditionelle Speisen (Äpfel und Kürbisse zu Samhain, Brot und Getreide zu Lammas, Eier und Samen zu Ostara, Maiblumen zu Beltane). 4) Verbinde dich bei jeder Feier mit der Natur – geh in Wälder, Berge, an Flüsse. 5) Kultiviere die Energien der Jahreszeit in dir: Innenschau in den Wintersabbaten, Expansion in den Sommersabbaten. Mit ein paar Jahren Übung wird das Rad zur spirituellen Strukturierung des Jahres: Jede Jahreszeit hat ihren Zweck, ihre Qualität, ihre Lehre – viel reicher als das moderne flache Jahr aus generischen Monaten.
También conocido como
- Jahresrad
- Sabbate
- Wicca-Fest
- Heidnische Festlichkeiten