Wicca
Die Wicca ist eine zeitgenössische neuheidnische Religion, die Mitte des 20. Jahrhunderts in England von Gerald Gardner (1884-1964) gegründet wurde. Sie verbindet Elemente der europäischen Volkshexerei-Tradition, der westlichen zeremoniellen Magie, des Jahresrades der saisonalen Feste, der Verehrung der Göttin und des Gottes sowie der Ethik des "Schade niemandem" (An ye harm none, do what ye will).
Ursprung und Geschichte
Gerald Brousseau Gardner, pensionierter britischer Beamter, Anthropologe und Folklorist, behauptete 1939, in einen Hexenzirkel "wahrer Hexen" eingeweiht worden zu sein, die aus dem New-Forest-Gebiet in Südengland überlebt hätten. Die historische Korrektheit dieser Behauptung wird von Historikern bestritten (wahrscheinlich war der angebliche alte Zirkel eher eine frühneuzeitliche Rekonstruktion als ein authentisches Überleben mittelalterlicher Hexerei); aber die daraus entstandene Wicca ist zweifellos ein reales kulturell-religiöses Phänomen. Nach der britischen Aufhebung der Gesetze gegen Hexerei 1951 begann Gardner, öffentlich zu lehren und zu publizieren (Witchcraft Today, 1954; The Meaning of Witchcraft, 1959).
Gardner kombinierte: europäische Volkshexerei-Tradition; westliche zeremonielle Magie (sein Kontakt mit Aleister Crowley hinterließ deutliche Einflüsse); Elemente der angelsächsischen Romantik über Druidentum und vorchristliche keltische Religion; die Göttinnentheorie der Ägyptologin Margaret Murray (heute historisch widerlegt, aber sehr einflussreich in der frühen Wicca); mediterrane klassische Mythologie. Das Ergebnis war eine kohärente neuheidnische Religion, die sich seit den 1960er Jahren in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und weltweit explosionsartig ausbreitete und heute Millionen Anhänger hat.
Glaubensvorstellungen und Praktiken
Zentrale Elemente: 1) Polytheismus: Verehrung der Göttin (das göttliche Weibliche, lunare Mutter, in drei Aspekten: Jungfrau-Mutter-Greisin) und des Gottes (das göttliche Männliche, der gehörnte Gott der Natur, Jäger und Herr des Waldes). Einige Traditionen sind duotheistisch (eine Göttin + ein Gott), andere polytheistisch (viele spezifische Gottheiten). 2) Jahresrad: Feier von 8 jährlichen Sabbaten (Samhain, Yule, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lammas, Mabon) plus 13 Esbats (Vollmondzeremonien). 3) Magie: Jeder Wicca-Praktizierende kultiviert magische Fähigkeiten – Rituale, Zaubersprüche, intentionale Arbeit – unter dem zentralen Prinzip "Schade niemandem".
4) Wiccan Rede: "An ye harm none, do what ye will" – grundlegende Ethik der Religion. Verbunden mit dem Threefold Law: Jede Energie, die du aussendest (gut oder schlecht), kehrt dreifach zu dir zurück. 5) Ehrfurcht vor der Natur: Das Göttliche ist in Bäumen, Flüssen, Bergen, Tieren – ökologische Ethik, die der Religion innewohnt. 6) Initiationen und Grade: Traditionelle Wicca-Zirkel haben drei Initiationsgrade; die solitären Hexen (ohne Zirkel) sind ebenfalls gültig. 7) Persönliches Buch der Schatten: Jeder Praktizierende führt meist sein persönliches Buch, in dem er Rituale, Zaubersprüche und Reflexionen festhält.
Wicca-Traditionen
Gardnerianisch (Gerald Gardner): die ursprüngliche Linie, traditionell initiatorisch; sehr strukturiert. Alexandrinisch (Alex Sanders, 1960er): offenere Variante, mit Elementen der westlichen zeremoniellen Magie. Dianische Wicca (Z. Budapest, 1970er): Fokus auf die Göttin und Feminismus, oft nur Frauen. Eklektische Wicca: freie Kombination mehrerer Traditionen, am beliebtesten unter selbstinitiierten solitären Hexen. Rekonstruktionistische Wicca: betont authentische historische Forschung gegenüber erfundenen Traditionen. Jede hat ihren spezifischen Stil, aber alle teilen die oben beschriebenen Elemente.
También conocido como
- Moderne Hexerei
- Wiccanische Religion
- Hexerei als Religion