Prana
Das Prana ist das hinduistische Pendant zum chinesischen Chi: die fundamentale Lebensenergie, die alle Lebewesen und den gesamten Kosmos durchströmt. In den vedischen und tantrischen Traditionen ist Prana die subtile Kraft, die Körper, Geist und Seele beseelt, und deren bewusste Lenkung die Grundlage des Yoga bildet.
Ursprung und Etymologie
"Prana" stammt vom Sanskrit prāṇa (प्राण), was "Lebensatem, Lebenskraft" bedeutet, abgeleitet von pra-an ("vorwärts atmen"). Es erscheint als zentraler Begriff in den Upanishaden (vedische Texte des ersten Jahrtausends v. Chr.), in den Yoga-Texten (besonders im Hatha Yoga Pradipika) und in der ayurvedischen Medizin. Der Gedanke: Der Atem ist das sichtbarste Vehikel des Prana, doch das Prana selbst ist subtiler als die Luft.
Im klassischen hinduistischen System werden fünf Arten von Prana unterschieden (die Vayus): Prana Vayu (Atmung, Aufnahme), Apana Vayu (Ausscheidung, abwärts), Samana Vayu (Verdauung, Gleichgewicht), Udana Vayu (Ausdruck, aufwärts), Vyana Vayu (allgemeiner Kreislauf). Jedes regiert eine spezifische Lebensfunktion.
Pranayama und bewusste Arbeit
Das Pranayama (bewusste Lenkung des Prana) ist einer der acht Glieder des klassischen Yoga des Patanjali. Durch spezifische Atemtechniken (Nadi Shodhana oder Wechselatmung durch die Nasenlöcher, Kapalabhati oder Stirnglanzatmung, Ujjayi oder siegreiche Atmung, Bhastrika oder Blasebalgatmung) lernt der Yogi, das Prana in seinem Körper zu vermehren, zu lenken und zu reinigen.
Im subtilen Körpersystem fließt das Prana durch Nadis (Energiekanäle, entsprechend den chinesischen Meridianen). Die drei wichtigsten sind Ida (lunarer Kanal, links), Pingala (solarer Kanal, rechts) und Sushumna (zentraler Kanal, entlang der Wirbelsäule). Wenn die drei im Gleichgewicht sind und das Prana frei durch Sushumna fließt, werden die Chakras aktiviert und kann die Kundalini erwachen.
Wie du es kultivierst
Methoden: bewusstes Atmen (die einfachste und wirksamste Praxis), Pranayama mit spezifischen Techniken, Yoga-Asanas (die körperlichen Haltungen öffnen die Nadis), Meditation, Mantras, Naturkontakt (die Luft von Wäldern, Bergen und Meeresküsten gilt als besonders pranareich). Das Prana verbraucht sich durch Stress, Lärm und Eile; es wird wiederhergestellt durch Ruhe, Stille und Atem.
También conocido como
- Lebensatem
- Sanskrit-Lebensenergie
- Vayu (in seinen Formen)